Kausalsemantik (\(S_C\) )
Patrick Johnson
Landwirtschaftc und Pestizidec verursachen Bienensterbene .
Bienensterbenc bedroht Landwirtschafte .
Landwirtschaft
Bienensterben
0,5
Pestizide
Bienensterben
0,5
Bienensterben
Landwirtschaft
-1
G
L
Landwirtschaft
B
Bienensterben
L->B
0,5
P
Pestizide
P->B
0,5
B->L
-1
Vielen lieben dank für die Vorstellung. Ich freue mich, heute hier vortragen zu dürfen und einen methodisch-priorisierten Einblick in meinem Disputationsvortrag zu geben, den ich am 24.06 an der TU Darmstadt in der Vollversion vortragen werde.
Ich werde die nächsten 20 Minuten darauf verwenden, ein Framework zur Extraktion und Projektion sprachlicher Kausalattribution – genannt Kausalsemantik – und dessen Anwendung zur Analyse von Verantwortungszuschreibungen im deutschsprachigen Umweltdiskurs vorzustellen.
Auf der Titelfolie sehen wir bereits das Eingangs- und das Ausgangsformat der Kausalsemantik: Wir beginnen mit einer variablen Anzahl sprachlicher Zeichen (link oben) und überführen sie ein strukturiertes Format – einen Attributionalen Kausalgraphen (rechte Seite) –, der sowohl der Häufigkeit als auch der Richtung und Intesität einer beliebigen Menge an Kausalzuschreibungen Rechnung trägt.
Da die Kausalsemantik konzeptionell sprach- und domänenunabhängig ist, möchte ich mit der Erörterung einer inhaltlichen Herausforderung beginnen, die ich als Anwendungsfall zur Demonstration der Kausalsemantik nutze.
UMWELT & VERANTWORTUNG
Umweltprobleme diskursiv definiert und verhandelt (Hannigan 2014)
Diskursive Salienz (Häufigkeit) korreliert mit politischer Priorität (Downs 1972)
Problemwahrnehmung reziprok zu zeitlicher / räumlicher Distanz (Giddens 2009) — „slow violence “ (Nixon 2011)
Kausaltyp \(\to\) Interventionsplausibilität (Fischer 2003)
technisch \(\to\) technische Lösung
strukturell \(\to\) Systemtransformation
Natürlich/Mechanisch
Entlastet menschliche Verantwortung
Intentional
Forderungen nach Regulierung und Haftung
Polykausal
Verantwortungsdiffusion (Iyengar 1991)
Spezifisch geht es mir um Umwelt und Verantwortung – die Attribution und Aushandlung von Handlungsdruck, der aus Umweltentwicklungen mit negativen Auswirkungen für gegenwärtige und zukünftige Lebewesen abgeleitet wird. Wenn man von ‘Umweltproblemen’ spricht, handelt es sich weniger um eine Bestandsaufnahme als um eine Forderung nach Verbesserung.
Je häufiger von einem Problem gesprochen wird, desto politisch salienter wird es – Downs spricht von einem Aufmerksamkeitszyklus. Giddens ergänzt eine räumliche und zeitliche Komponente: Ferne oder langsame Entwicklungen werden als weniger dringlich wahrgenommen.
Nixon bezeichnet das als slow violence – strukturelle Krisen evozieren weniger Handlungsdruck als akute Katastrophen.
Fischer beschreibt das Verhältnis zwischen Kausaltypen und (politischen) Intervention: Technische Ursachen motivieren technische Lösungen, strukturelle motivieren Systemtransformationen.
In Stones Ursachentypologie entlasten natürliche Ursachen menschliche Akteure, während intentionale Ursachen Regulierungs- und Haftungsansprüche begründen. Ein dritter Kausaltyp ist für die Kausalsemantik besonders relevant: Polykausale Rahmungen diffundieren Verantwortung und vermengen Zuständigkeiten. Die Unterscheidung zwischen Mono- und Polykausalität ist damit nicht nur linguistisch, sondern politisch relevant.
KAUSALINFERENZ
Ontologisch\(\to\) epistemisch
Aristoteles\(\to\) Hume (1739)
Regularität als Annäherung
Regularität\(\to\) Polykausaliät
Mill (1843) \(\to\) Mackie (1965)
INUS \(\to\) Poly / Prio / Mono
Beobachtung\(\to\) Kontrafaktik
Lewis (1973)
Kausalität als hypothetischer Vergleich
Korrelation\(\to\) Intervention
Pearl (2000)
\(P(Y|X) \neq P(Y|\text{do}(X))\)
Typ-Kausalität\(\to\) Schuld
Halpern (2016)
Grad der Beteiligung \(\to\) \(I \in [-1, 1]\)
Priorität
\(A\) zeitlich vor \(B\)
Hinlänglichkeit
\(A\) genügt für \(B\)
Notwendigkeit
kein \(B\) ohne \(A\)
Beitrag
Anteil von \(A\) an \(B\)
Kausalattributionen sind jedoch selbst das Ergebnis eines – kollektiven oder individuell mentalen – Aushandlungsprozesses. Mehr als 2000 Jahre westlicher Philosophie zielen darauf ab, das Verhältnis zwischen einer Sache und einer unendlichen Menge möglicher Ursachen zu klären.
Aristoteles’ ontologische Wirkursache (causa efficiens) wird bei Hume durch beobachtete Abfolgen ersetzt. Mill leitet daraus induktive Schlussregeln ab: U.a. Die Methode der Differenz, in der sich zwei Situationen nur durch die vermutete Ursache unterscheiden dürfen.
Während eine Ursache bei Mackie’s INUS-Prinzip nicht hinreichend, aber notwendiger Teil einer hinreichenden Konstellation ist, beschreibt Lewis Kausalität als kontrafaktischen Vergleich: ‘Wäre X nicht eingetreten, wäre Y ebenfalls nicht passiert.’ Pearl verweist darauf, dass die konditionale Wahrscheinlichkeit von Y im Falle X nicht dasselbe ist, wie die konditionale Wahrscheinlichkeit von Y, wenn man bewusst X kontrolliert.
Halpern überträgt dieses Prinzip auf polykausale Konstellationen, indem er Schuld über Pivotalität quantifiziert: wie viele andere Faktoren müssten entfernt werden, damit diese Ursache allein ausreicht?
Die vier Bedingungen unten sind keine sechste Theorie, sondern das gemeinsame Substrat aller fünf: Was sich von Zeile zu Zeile ändert, ist nicht ob diese Bedingungen gelten – sondern wie sie formalisiert, gewichtet und auf Grenzfälle angewendet werden.
KOGNITION & FRAMES
Mentale Repräsentation
Lakoff / Johnson (1980) : Causation is a Force — Intensität × Richtung
Talmy (1988) : Kraftdynamik
zwingen (Druck) · verhindern (Blockierung)
\(\to\) fördernd / hemmend
Semantische Rollen
Fillmore (1968) : Agens \(\to\) Instrument \(\to\) Patiens
Zifonun (1997) : Verursacher (\(\supsetneq\) Agens ) → abstrakte Kausalattributionen
Polenz (2008) : Perspektivierung — Passiv defokussiert Verursacher
Konnektoren & Modalität
Sweetser (1990)
Inhalts- / epistemische / Sprechaktkausalität
\(S_C\) → Inhaltskausalität
König (1991)
Konzessiva (obwohl )
erwartete Relation bleibt aus
Während die logischen Theorien Kausalität formal definieren, beschreiben kognitions- und sprachwissenschaftliche Arbeiten, wie Kausalität mental repräsentiert und sprachlich kodiert wird.
Lakoff und Johnson zeigen, dass Kausalität als körperlich erfahrbare Kraft-Metapher verinnerlicht wird. Talmys Kraftdynamik überführt das in Verbklassen: Druck (zwingen), Blockierung (verhindern), Transfer (beitragen).
Fillmores Subjektivierungshierarchie beschreibt, warum ‘Der Klimawandel verursacht X’ grammatisch analog zu ‘Menschen verursachen X’ ist, indem ein AGENS durch das INSTRUMENT oder PATIENS ersetzt wird. Zifonun führt VERURSACHER als Überkategorie ein, das jenseits des AGENS auch abstrakte Entitäten erfasst. Polenz fügt hinzu, dass Passivierungen Verursacher systematisch defokussieren.
Schließlich beschreibt Sweetser eine Typologie kausaler Konnektoren, in der Inhaltskausalität die Attribution außersprachlicher Ursache-Wirkungs-Verhältnisse bezeichnet. König ergänzt wichtige Grenzfälle: Konzessiva markieren erwartete Kausalrelationen, die nicht eintreten.
INDIKATOREN
\(\small (C = \text{Cause}; E = \text{Effect}; I = [-1, 1])\)
Hemmend
Mono (\(\small -1\) )
\(C\) stoppt / verhindert / gegen \(E\)
Prio (\(\small -0{,}75\) )
\(C\) ist die größte Bedrohung für \(E\)
Poly (\(\small -0{,}5\) )
\(C\) reduziert / mindert \(E\)
Fördernd
Mono (\(\small +1\) )
\(C\) ist der Grund / verantwortlich für \(E\)
Prio (\(\small +0{,}75\) )
\(C\) ist der Hauptgrund für \(E\)
Poly (\(\small +0{,}5\) )
\(C\) verstärkt / intensiviert \(E\)
\(\pm =\) Polarität; \(||I|| =\) Salienz
Der ausdrucksseitige Anker liegt in lexikalisch-definierten Indikatoren (u.a. verursachen , verstärken , reduzieren , stoppen ). Indikatoren projizieren kausale Rollen (Cause, Effect) auf syntaktische Nachbarn.
Jeder Indikator lässt sich anhand der Dimensionen Polarität (hemmend/fördernd) und Salienz – als Maß der Exklusivität von Mono bis Poly – kategorisieren.
Aus der Kombination beider Dimensionen ergibt sich ein numerischer Wert, in dem Polarität das Vorzeichen – und Salienz (von 0 bis 1) den absoluten Wert darstellt. Diskrete Einheiten (Zeichenketten) werden dabei auf ein Ordinalzahlensystem projiziert, in dem monokausale hemmende Relationen (-1) maximal von monokausal fördernden Relationen (+1) entfernt sind.
KONTEXTMARKER
\(\small (C = \text{Cause}; E = \text{Effect}; I = [-1, 1])\)
Prio (\(\small ||I|| = 0{,}75\) )
vor allem \(C\) verursacht \(E\)
\(C\) ist maßgeblich an \(E\) beteiligt
Poly (\(\small ||I|| = 0{,}5\) )
Unter anderem \(C\) verursacht \(E\)
Nicht nur \(C\) verursacht \(E\)
Negation
Propositional (\(\small I \cdot 0\) )
\(C\) ist nicht der Grund für \(E\)
Objektbasiert (\(\small I \cdot\) \(-1\) )
\(C\) verursacht die Vernichtung von \(E\)
\(\pm =\) Polarität; \(||I|| =\) Salienz
Hinzu treten eine Reihe an Kontextmarkern: Priorisierungen wie ‘vor allem’, sodann sie sich auf Ursachen beziehen, setzen den absoluten Einfluss auf 0,75. Äquivalent verhalten sich polykausale Marker wie ‘unter anderem’ – wobei der projizierte Einfluss auf 0,5 fällt.
Negation erscheint in zwei unterschiedliche Formen. Propositional – bspw. ‘nicht’ oder ‘keine’ in ‘keine Schuld’ – neutralisieren den Einfluss zu 0. Objektbasierte Negationen ‘Schwund’/‘Verlust/Vernichtung’ invertieren die Richtung.
Daraus folgt ein mehrstufiger Algorithmus, in dem sowohl lexikalische (verursachen vs. stoppen) als auch morphologische Aspekte (Ursache vs. Hauptursache) einen Einflusswert vorgeben, der durch syntaktische Kontextmarker verfeinert wird.
DATEN
Aussterben
3812
35%
— Waldsterben
1837
15%
— Artensterben
1562
13%
Massensterben
692
6%
— Bienensterben
549
4%
— Insektensterben
490
4%
Fischsterben
450
4%
Absterben
373
3%
\[ \small | K_U | \approx ~2.2 \cdot 10^7,\quad K_U \subsetneq (\text{FAZ} \cup \text{Spiegel} \cup \text{Bild} \cup \text{taz} \cup \text{ZEIT} \cup \text{SZ} \cup \text{Plenar}_{\text{Bundestag}}) \]
Sowohl die 642 verschiedenen Indikatorformen als auch Kontextmarker-Kategorien wurden anhand eines Annotationskorpus mit rund 4300 Sätzen identifiziert, die mindestens eins der vier Lemmata ‘Waldsterben’, ‘Artensterben’, ‘Bienensterben’ oder ‘Insektensterben’ (im Folgenden ‘WABI’) enthalten.
Mit diesem Annotationskorpus, das selbst ein Subset eines aus 22 Millionen Sätzen bestehenden Umweltkorpus (KU) aus Zeitungstexten und Plenarprotokollen des dt. Bundestags darstellt, wird ein Zeitraum von 1990-2020 erfasst.
Die Analyse der WABI zielt dabei darauf ab, sowohl begriffsinterne Dynamiken als auch Gemeinsamkeiten und Divergenzen zwischen den Begriffen mithilfe der Kausalsemantik zu offenbaren.
EXZERPTE I
Fördernd
Fipronil wird für das Bienensterben mitverantwortlich gemacht.
[T13_JUL_02539 ]
\[
(\text{Fipronil}; \text{Bienensterben}; 0,5)
\]
Hemmend
Die grüne Landwirtschaftsministerin hat das Waldsterben gestoppt . [T03_JUL_34309 ]
\[
(\text{Landwirtschaftsministerin}; \text{Waldsterben}; -1)
\]
Anhand der Indikatoren (‘mitverantwortlich’ oben, ‘gestoppt’ unten) werden Relationstupeln konstruiert, um Ursachen (hier ‘Fipronil’ und ‘Landwirtschaftsministerin’) und Wirkungen der einzelnen WABI inklusive instanzspezifischer Einflusswerte zu extrahieren.
Während ‘mitverantwortlich’ (polykausal fördernd) einen Einfluss von 0,5 projiziert, wird ‘gestoppt’ als monokausal hemmend (-1) gelesen.
EXZERPTE II
Verkettung
Gut, dass die EU wegen des Bienensterbens endlich Neonicotinoide verbieten will. [U18_MAI_00199 ]
\[
(\text{Neonicotinoide}; \text{Bienensterben}; 1), (\text{EU}; \text{Neonicotinoide}; -1)
\]
Koordination & Objektnegation
Neben dem Insektensterben leiden diese Arten auch unter einem Mangel an Brutplätzen . [U18_JUL_00207-57 ]
\[
(\text{Insektensterben}; \text{Arten}; -0{,}5), (\text{Brutplätze}; \text{Arten}; 0{,}5)
\]
Dieses ‘Einflussbudget’ gilt pro Indikator. Mehrere Indikatoren mit unterschiedlichen (Cause, Effect) Permutationen innerhalb eines Satzes werden bewusst nicht übergangen, sondern stellen – beispielsweise im Rahmen einer Verkettung (oben) – selbst einen satzinternen attributionalen Kausalgraphen dar.
In eine ähnliche Kerbe schlagen Koordinationen: Im unteren Auszug erscheint ‘Insektensterben’ nicht als einzige explizite Ursache, sondern in einem polykausalen Verbund mit einem ‘Mangel an Brutplätzen’. Der indikatorbasierte Einfluss von ‘leiden’ (-1) verteilt sich dabei auf beide Ursachen (jeweils -0.5).
Im vorliegenden Fall wird ‘Mangel’ darüber hinaus als objektbasierte Negation gelesen: Das Vorzeichen (Polarität) von ‘Brutplätzen’ wird von -0.5 zu 0.5 invertiert. In der Summe ergibt sich ein positives Verhältnis zwischen Brutplätzen und Arten.
Waldsterben (Ursachen)
1990-2004
Saurer Regen
9
0,87
6,0
Stickoxid
10
0,56
4,1
Luftverschmutzung
5
0,90
3,4
Autos
6
0,69
3,1
Schwefeldioxid
5
0,78
2,9
Ozon
6
0,54
2,5
Verkehr
4
0,75
2,3
2019-2020
Klimawandel
8
0,71
27,5
Luftverschmutzung
2
1,00
11,6
Trockenheit
2
1,00
5,8
Hirsch
1
1,00
5,8
Glob. Erwärmung
1
1,00
5,8
Saurer Regen
4
0,25
5,8
Dürre
1
1,00
5,8
📄 Johnson, P. (2026). Waldsterben 2.0 – Climate change as an attributed cause of forest diebacks . In: Landscapes in Language, Society and Cognition (Interdisciplinary Linguistics). Berlin/Boston: De Gruyter Mouton. (i. Dr.)
Die Tupeln variabler Konstellationen (hier Ursachen von Waldsterben in zwei Zeiträumen) werden schließlich aggregiert und normalisiert. Daraus ergibt sich neben der absoluten kausalen Okkurrenz (n, zweite Spalte), ein durchschnittlicher Instanzeinfluss (dritte Spalte) und der prozentuale Anteil am Gesamteinfluss (vierte Spalte).
Im vorliegenden Fall wird die Verschiebung der attribuierten Ursachen ablesbar, indem ein Fokus auf Verkehr, Emissionen und Sauren Regen (links) der Hervorhebung klimatischer Faktoren auf der rechten Seite weicht. Anthropogene Einflüsse, die insbesondere bei Autos oder Verkehr noch deutlich expliziter ausfallen, rücken trotz ihres etablierten Beitrags zum Klimawandel somit zunehmend in den Hintergrund.
KAUSALVEKTOREN
\[\small \overrightarrow{v}_{\text{Mensch}_C} = [\text{Mensch}, \text{Klimawandel}, \text{Artensterben}, ... ] = [0; 343{,}75; 30{,}75; ... ]\] \[\small \overrightarrow{v}_{\text{Mensch}_E} = [\text{Mensch}, \text{Klimawandel}, \text{Artensterben}, ... ] = [0; -34{,}5; -2; ...]\]
\[\small \overrightarrow{v}_{\text{Mensch}} = \overrightarrow{v}_{\text{Mensch}_C} \oplus \overrightarrow{v}_{\text{Mensch}_E}\]
Schließlich lässt sich der ACG auch in Form einer Matrix repräsentieren. In dem vorliegenden Diagramm ist der fördernde Einfluss von Mensch zu Klimawandel in Reihe 1, Spalte 2 mit rund 343,75 angegeben. Reihe 2, Spalte 1 zeigt einen negativen Rückkopplungseffekt (Klimawandel zu Mensch, -34,5).
Zusammengenommen lässt sich aus den Einflusswerten aller Ursachen und Wirkungen einer Entität (bspw. Mensch, unten) ein Vektor konstruieren, der – ähnlich zu Word- oder Sentence-Embeddings – mittels etablierter Distanzmetriken die Ähnlichkeit zwischen Entitäten anhand ihrer attribuierten kausalen Interaktionen misst.
ZUSAMMENFASSUNG
Kausalsemantik
Indikatoren
verursachen , beitragen , reduzieren , stoppen
Kontextmarker
maßgeblich , auch , nicht , Schwund
\((C\text{ause}, E\text{ffect}, I\text{nfluence})\)
\(I = \pm, ||\text{Salienz}||\)
ACG
Agency, Sensitivity, Balance
Kausalprofile
Verantwortung & Umwelt
Naturalisierung (Ursachen)
Luftverschmutzung zu Klimawandel
Abstrahierung (Interventionen)
Lebensraum zu jemand , etwas
Vektoren
Waldsterben isoliert; Artensterben näher an Insektensterben als Bienensterben
\(K_U\) dominiert von Mensch , Klimawandel , Emission
Zusammengefasst ist mit der Kausalsemantik ein Framework zur Extraktion und Projektion sprachlicher Kausalattribution entstanden, dass kausale Rollen (Cause, Effect) inklusive numerischer Richtung (Polarität) und Gewichtung (Salienz) mithilfe lexikalisch definierter Indikatoren im Zusammenspiel mit Kontextmarkern ausweist.
Unter Nutzung eines Annotationskorpus wurden 4300 Sätze annotiert, um vier Begriffe (Wald-, Arten-, Bienen- und Insektensterben) anhand ihrer attribuierten kausalen Interaktionen diachron zu evaluieren. Kausalattributionen werden dabei als Verantwortungszuschreibungen gelesen, die sich unter anderem naturalisieren (Luftverschmutzung/Verkehr zu Klimawandel), aber auch – vor allem auf der Seite der Interventionen – zunehmend abstrahieren bzw. pronominalisieren.
Mithilfe des C-BERT Transformers lässt sich die manuelle Annotation in groben Zügen replizieren. Auf das übergeordnete Umweltkorpus angewandt, konnten die WABI sowohl durch den Vergleich zu zentralen Entitäten des Umweltdiskurses (Klimawandel, Energieträger, Emissionen), als auch anhand ihrer individuellen nächsten Kausalnachbarn – im Dickicht von mehreren hundert Millionen verschiedenen Zeichenketten – auf Basis ihrer attribuierten Kausalinteraktionen kontextualisiert und charakterisiert werden.
Damit schließe ich, bedanke mich vielmals für die Aufmerksamkeit – und freue mich auf die Diskussion.
KOMPOSITA
Massensterben
Großes Sterben
\[
\large O_K, \scriptsize O_K
\]
Artensterben
das Aussterben bzw. Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten (als natürlicher oder von Menschen verursachter bzw. beschleunigter Prozess)
\[
\large O_A, \normalsize O_A, \small O_A, \tiny O_A,
\]